Erben, aber richtig

Wenn ein naher Verwandter stirbt oder man als Begünstigter unerwartet eingesetzt wurde sind viele Menschen ratlos und wissen nicht wie sie sich richtig verhalten sollen und/oder was zu beachten ist. Schnell kann man mit einem angenommenen Erbe auch alles verlieren, denn man haftet dann auch für die Verpflichtungen und Schulden zusätzlich mit seinem Privatvermögen.
Dies hier soll Ihnen als Ratgeber dienen. Zusätzlich bietet wir hier auch noch viele Hilfen und Formschreiben als Download an.

Wenn kein Testament vorhanden oder ungültig tritt die gesetzliche Erbfolge in kraft.
Es erben zuerst Erben erster Ordnung; Kinder, Enkel, Urenkel. Falls keine Erben erster Ordnung vorhanden sind erben Erben zweiter Ordnung; Eltern und Geschwister. Wenn auch diese nicht vorhanden sind erben die Erben dritter Ordnung; Onkel, Tanten, Cousins.
Merke: Ein Verwandter erbt nicht, wenn mindestenes ein Verwandter der vorhergehenden Ordnung da ist. Innerhalb einer Ordnung erbt immer nur der nächste Verwandte und schliesst damit die Entfernteren aus.

Die Erbschaft annehmen oder nicht?

Wenn ein Nachlass angetreten wird muss der Erbe in vollem Umfang haften. Er kann nicht das Guthaben (Immobilien, Geld, WertgegenstŠnde usw.) annehmen und die Schulden ablehnen. Entweder alles (Guthaben und Schulden/Verpflichtungen) oder nichts.

Innerhalb 6 Wochen aktiv werden

Wenn man das Erbe nicht annehmen mö chte, muss man es innerhalb von 6 Wochen ausschlagen. Die Frist sollte man nutzen, um festzustellen, ob die Erbschaft überhaupt Vorteile bringt. Die Frist beginnt mit dem Wissen um die Erbschaft.

Wenn alle gesetzlichen Erben die Erbschaft ausgeschlagen haben, greift die gesetzliche Erbfolge. Erst wenn sämtliche gesetzlich vorhandenen Erben ausgeschlagen haben, ist das Finanzamt der Schlusserbe der Staat, also die Allgemeinheit, bleibt auf den Schulden sitzen, denn der Fiskus kann nicht ausschlagen.

Wer das Erbe mit allen Verpflichtungen annehmen mö chte, muss die Annahme nicht ausdrücklich erklären hierfür reicht es, die sechswö chige Frist einfach verstreichen zu lassen und einen Erbschein beim Gericht beantragen. Auch mit Hilfe des Erbscheins kann man den genauen Vermö gensstand erkunden und reagieren wenn sich herausstellt, dass das Erbe dann doch überschuldet ist. Zur Feststellung des Wertes wird ein Nachlassverzeichnis aufgestellt. Eventuell besteht auch die Mö glichkeit, der Ausschlagung und dann das Erbe Pflichtteil zu verlangen, hier sollte man sich beraten lassen.

Die Nachlassinsolvenz ist eine Haftungsbremse

Die Haftung mit dem eigenen Vermögen kann durch die Beantragung der Nachlassinsolvenz ausgeschlossen werden. Es wird dann nur noch mit dem Vermö gen gehaftet, welches im Nachlas vorhanden ist. Der Antrag ist zu empfehlen, wenn der Erbe eine Überschuldung des Nachlasses vermutet. Den Antrag auf eine Nachlassverwaltung wird immer dann gestellt, wenn noch nicht gewiss ist, ob überhaupt eine Überschuldung des Nachlasses vorliegt. Die Nachlassverwaltung klärt diesen Sachverhaltung während ihrer Arbeit für die Erben.

Wenn es sich im Laufe dieses Verfahrens herausstellt, dass ein Nachlass vermutlich nicht einmal ausreichen wird, um die erheblichen Kosten dieses Verfahrens zu decken, wird das Nachlassgericht ein solches Insolvenz Verfahren gar nicht erst erö ffnen. Mit dem entsprechenden Gerichtsbeschluss als Nachweis der Ablehnung des Insolvenzverfahrens ist der Erbe von der Eigenhaftung befreit und muss auch dann nur mit dem verbliebenen Nachlassvermögen eintreten. Auch den Gläubigern gegenüber kann der Erbe mit diesem Nachweis die so genannte Dürftigkeitseinrede erheben.

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Das Testament
Erben und Vererben, die Information der Bundesregierung.

Die Freibeträge

Ehepartner haben 500.000.- Euro steuerlicher Freibetrag, Kindern 400.000 Euro, Enkel 200.000.-, Geschwistern 20.000.-, Eltern, Groß- und Urgroßeltern des Erblassers können im Erbfall 100.000.- frei von Erbschaftssteuern übernehmen.
Eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnern erhalten 500.000.- steuerfrei.

Inventarverzeichnis

Um festzustellen, was in der Erbmasse vorhanden war, ist es zunächst notwendig zu ermitteln, welche Gegenstände zum Erbe gehören. Das Inventarverzeichnis sollte rechtzeitig verfasst werden. Das Inventarverzeichnis ist eine präzise und lückenlose Auflistung aller Nachlassgegenstände (Vermögensaktiva) und Nachlass-Schulden (Passiva).